Wenn die Gerechtigkeit auf unserer Seite wäre

Wenn die Gerechtigkeit auf unserer Seite wäre, würden wir mit der Gerechtigkeit Hand in Hand gegen die Personen kämpfen, die uns die Gerechtigkeit von vornherein absprechen. Wer genau diese Personen sind, und welche Gerechtigkeit ich in den Hände halte, das weiß ich gerade selbst nicht. Koche Nudeln mit Tomatensoße und wundere mich über meine Kochkünste, die ich nicht habe. Ich habe sie nicht, ich habe keine Zeit dafür, Mama, ich muss weltpolitische Probleme lösen.

Hätten wir die Gerechtigkeit in der Hand und wir haben sie in so vielen Momenten nicht, weil sie uns abgesprochen wird, würden wir auf der Arbeit von unseren männlichen Chefs nicht unterdrückt werden, weil man als Frau einen Arbeiteraufstand gegen unmoralische Arbeitsverhältnisse anführen könnte, in denen deutsche Arbeiter leichtere Tätigkeiten verrichten als russische. Hätte ich die Gerechtigkeit in meiner Hand, und ich weiß sie ist da, aber sie zeigt sich nicht, stünden wir nicht alleine hier und wir müssten nicht für die Gerechtigkeit kämpfen, die wir eigentlich schon besitzen. Also frage ich mich: wo ist das Recht? Und warum fluktuiert das Recht so hin und her und wer ist mein Anwalt in dieser Situation, wenn mein Anwalt einfach am Menschenrecht schon versagt?
Weil mein Anwalt selbst nicht versteht warum ich unterdrückt werde. Vor allem nicht erkennt, er wäre derjenige, der mich zu unterstützen und das Unrecht, das in deren Händen liegt, zu bekämpfen hat.

Ich habe aber die Gerechtigkeit nicht in der Hand. Ich habe sie, aber sie ist nicht da. Wäre sie da, würde ich nicht alleine stehen hier, wäre sie da, und würde sie sich nicht fragen wohin sie gehört, würde ich jetzt Hand in Hand mit ihr für eine Zukunft kämpfen, die gerecht sein wird. Nicht für mich und nicht für alle Menschen um mich herum. Sondern für die Zukunft, die momentan noch in den Händen der Ungerechtigkeit liegt. Weil die Ungerechtigkeit uns unsere Zukunft wegnimmt, in allen möglichen Facetten: Mit Unterdrückung, mit Boden unter den Füßen wegziehen, mit im Nacken sitzenden Polizisten, mit Einsperrung. Vor allem Ankerzentren bauen für Migranten, die in unser Land gar nicht wollten, von vornherein ihr Land mehr liebten, aber die Ungerechtigkeit nahm auch ihnen ihre sichere Zukunft weg. Zerbombte ihre Häuser.

Was haben wir? Wir haben nichts.
Wir haben potenziell alles. Wir haben Häuser, Stille, Fassaden. Wir haben Worte, Glück und Freiheit auf den Schultern. Wir beide haben Zukunft, wir haben Gleichheit, wir haben Einheit. Die Gerechtigkeit und ich, unsere Wege sind frei ausgelegt nach vorne voran, weil wir nebeneinander stehen und auch nebeneinander mit gleicher Kraft vorangehen: weil wir alles haben. Hirn. Herz. Hand.

Aber der Weg ist uns versperrt. Uns werden Spiegel vor die Nase gestellt, nur mit dem Weg zurück. Ich versuche drumrum zu gehen aber die Gerechtigkeit schaut nach hinten und erkennt die Ungerechtigkeit hat recht: da ist kein Weg. Da sind eigentlich nur Steine und Fehler und Probleme und Lücken. So viele Lücken.
Woran es mir aber der Gerechtigkeit an Verständnis zu sagen scheitert ist das einerseits der Spiegel falsch platziert ist. Er müsste hinter uns stehen um uns Wege zu zeigen. Und andererseits, dass die Fehler die man in der Vergangenheit erkennt nicht unsere Fehler sind, weil wir Hand in Hand mit der Ungerechtigkeit aufgezogen wurden. Keine Fehler erkannt, analysiert und überwunden worden. Gab es eine riesige Pfütze, wurden wir entweder drum rumgeführt oder gingen selbst hinein, mit Worten im Nachhinein, dass man es hätte besser machen und besser wissen sollen. Aber wie? Wenn man keine Werkzeuge hat? Wie in die Pfütze rein und lernen wie in der Pfütze zu überleben, wenn sie nunmal da ist und kein Weg an ihr vorbeiführt? Vor allem auch noch verursacht von der Ungerechtigkeit selbst, weil sie Regen regnen lässt im Sommer, der eigentlich erst im Herbst kommen sollte und Steine liegen lässt, die eigentlich noch in den Bergen befestigt sein sollten.

Wenn die Gerechtigkeit mit mir Hand in Hand gehen würde, müssten wir Klippen erklimmen, in Pfützen reinspringen, durch kalte Straßen nachts entlang gehen und Straßennamen auswendig lernen um uns orientieren zu können. Wäre sie da, direkt neben mir, würden wir durch alles gehen, in die Zukunft voraus für die Zukunft, um am Ende vielleicht doch irgendwo stehen zu bleiben. Vielleicht aber auch nicht. Vielleicht niemals stehenbleiben und einfach nur gehen. Auch nur erschöpft. Auch nur müde und liegenbleiben wollen und die Laster sind schwer. Kinder sind nicht einfach zu tragen.


Wäre die Gerechtigkeit mit mir Hand in Hand, säße nicht der Polizist im Nacken, sondern Blumen, Gnome und singende Vögel. Mit mir Hand in Hand wären die Wege zwar schwer, es wären aber trotzdem Wege und vor allem voran. Ich weiß nicht woran es scheitert. Wir würden uns nehmen was uns das Leben gäbe. Wir würden uns nehmen was wir bräuchten, Ressourcen nutzen, auch wenn sie schwer zu tragen sind, auch einfach nur voran.


Aber die Gerechtigkeit geht mit mir nicht Hand in Hand, ich bin alleine. Warum? Weiß ich auch nicht, es treibt sie ja niemand voran, weshalb ich mich hinter sie stelle und ihr zeige wohin sie gehen muss. Weil ich mich von vornherein hinter die Gerechtigkeit stelle und sie leite, in Wege in die die Gerechtigkeit selbst nicht weiß wohin zugehen, öffne Türen, die eigentlich schon immer versperrt waren, mit Spiegeln vor’m Gesicht, so zeigen als ob geöffnete Türen Vergangenheit sind und wir wollen zurück. Aber irgendwie funktioniert das alles nicht so ganz und so langsam höre ich auf, schlafe eine Nacht drüber und überspringe die Gerechtigkeit, gehe alleine weiter, gehe alleine, dann. 

Was hält dich? Gerechtigkeit? Warum stehst du? Wohin zieht es dich so sehr? Warum wirst du, statt angetrieben von deiner Mutter Zuversicht, von der Hoffnungslosigkeit gezogen? Vielleicht weiß die Hoffnungslosigkeit ja nicht sie ist die Zuversicht. Ist selbst in ihrem Beruf gescheitert, weil ihr niemand erklärte, um Individuen Großzuziehen bräuchte es nicht an Idealbild an das andere Streben sollen, sondern eher an Kräfte, die aus jedem Stein ein Idealbild eines Menschen, eines Arbeiters oder eines Unternehmers meißeln könnten? 


Was fehlt uns Kindern? Warum hören sie uns nicht zu und gehen nicht unsere Wege? Ich habe mal einen Jungen gesehen, im Fahrrad sitzend, der Vater ging voran und der Junge weinte, weil er den Berg alleine nicht hochkam. Was ist, wenn der Vater verstünden hätte, dass der Sohn tatsächlich nicht nach vorne kommt mit seinen kleinen Beinchen? Was ist wenn er verstanden hätte, dass es Kraft braucht um zu strampeln, aber man diese Kraft nicht hat? Klar, der Vater sieht die Ressourcen des Kindes. Der Vater glaubt daran, der Sohn wird es schaffen. Aber Glaube ist nicht das einzige was uns vorantreibt. Vor allem nicht, wenn man dem Glauben hinterherstreben muss und er nicht neben einem einhergeht.

Gerechtigkeit, wo bleibst du? Wer hält dich fest? Warum bist du zu, muss ich dich zuerst durch mich sprechen lassen?
Warum rennst du vor mir weg?


Vielleicht musst du auch einfach gehen um zu erkennen wohin du zurückkommst. Vielleicht musst du auch einfach gehen.




Her: ,,Ruth Bader Ginsburg just died
Wtf
I’m Speechless
Wtf is gonna happen now
This is terrifying’’

Me:,, Ppl are gonna go to the streets’’

Him:,,her dying wish will not be honored that’s for sure lol
better to be born lucky than rich and trump was certainly born lucky
And also rich actually’’

Me: ,,Rich=lucky’‘



I woke up yesterday and drove through streets, a car burning and Wege auf die andere Rheinseite versperrt. Something within was dying inside, was afraid you had left, was asking myself, visionary, what I’d see and somehow I saw you dying in front of me.

I also dreamed of future movements, Straßenbahnen in Koblenz, Nummer acht nach Neuwied, and I don’t know what it means aber dafür gehen, Jory? Straßenbahnen funktionieren doch so schön.
And I ask you: did you never learn how to speak?
I twist and turn my letters and words, twist and turn circumstances for you to make easy, but who were you raised into and how to make politics if you don’t know how to dream?

Twist and turned snakes up on feline female friends ‚‘’You’re so wrapped up in layers, onion boy, you’re afraid of your own feelings’’, says my first female hometown friend, whom I fought with once, my mom suggested to instead go to the library and read, by dad gifted me a teddybear key chain from Sweden ‚‘’bukowski’’.

I want you to cry. I want you to cry for being left all the time. I want you to cry for everything that you have done to anyone whom you ever met. I want you to cry about girls you have fucked at night and then left, friends you have lied to straight to face, went to school that didn’t let you speak and fists you had to hold back. I want you to cry about everything that is unfair and has been done unfair to you. Words people didn’t let you speak, that’s why you learned to shut up, either lie words or stay silent.
I want you cry. I want you to cry the way that I do when you approach me with lying eyes looking down on me, me knowing you will run, me doing everything you should be. I want you to cry because women are fighting fights you should be fighting, cry for reasons that you have forsaken every and each one of me, running out into the world, fucking only felony.

I want you to cry, I want you to cry. I want you to move like a bulldozer through the streets and fight for a rightful economy. I want you to do shit, stand up shit, and stand, fight for me. I want you to speak straight, be straight in what you want and act upon everything you know is right but was never granted in your speech.
I want every and each one of us who sees any political incompetency to stand up on the streets, to hold hands in hands and tear down power sitting in our necks, suppressing our wishes and wills, legacy, for their own asses so free.
Where are you leading me, crybaby?
I am leading towards future, that’s where I go and that’s where I will always be.
But with backspeech, honey, you will never make true policy. You will only get broken glass, crime scenes, misery.

Wir müssen das Bildungssystem überdenken, die Justiz, die Regierung, die Wirtschaft, Arbeiterbedürfnisse, Lebensstandards. Wir brauchen Zahlen, Fakten, Theorie. Wir brauchen Ahnung, vor allem das.
Wir brauchen mehr Menschen, mehr Geschichte (richtige!) um zu erkennen, wer was braucht um in Frieden zu leben.
Wir müssen schreiben, schreiben. Geschichte schreiben, Geschichten und Ideen.
Wir müssen solche Geschichten schreiben, dass in fünfzig Jahren unsere Geschichten schon standard sind, vorausgehen und manifestieren, das müssen wir machen.
Wir müssen mit Menschen reden, wir müssen sehen, wir müssen gehen. Wir müssen tun.
Und ob das in Wien geschieht, oder in Koblenz. Im Süden, Westen, Osten oder Norden, das ist mal dahingestellt. Aber vor allem werden wir von außen erkennen, woran es uns im Inneren fehlt.
19. September 2020

In Sovietland Leak