Sprachliche Notwendigkeiten (Eine Skizze und auch nur ein Gedanke)

Hört mir zu.

Ich stehe gerade vor euch und halte diese Rede um euch die Ausmaße und die Wichtigkeit dieser Demonstration vor Augen zu führen. 

Fridays for future startete in Stockholm mit einem Mädchen, dass sich weigerte zur schule zu gehen, einem 16 jährigen Mädchen, das, wie sie sagte „didnt oarticipate in the social games“ und durchschaute wie die Politik heutzutage funktioniert und warum es an der Klimapolitik scheitert. Ich stehe heute vor euch um euch daran zu erinnern wofür wir kämpfen, denn wir kämpfen nicht darum dass wir als Jugendliche gesehen werden, wir kämpfen nicht gegen euch, wir kämpfen gemeinsam für eine aufrechte und standhafte Zukunft. 

Diese Bewegung steuert momentan leider nicht in die richtige Richtung zu- statt dass verstanden wird warum wir auf die Straße gehen, werden wir gerichtet dass wir nicht zur Schule gehen. So frage ich euch: wie lange werden wir noch zur Schule gehen können morgens, mehr oder weniger sorgenfrei, bis wir nicht die Verantwortung übernehmen müssen für eine Klimapolitik, die uns in den Ruin treiben wird? 

Wie lange werden wir einfach auf die Straßen gehen und demonstrieren können bis wir nicht weniger werden und gar nichts mehr zu sagen haben werden, weil wir unter den Massen an Problemen ertrinken werden? 

Erneut, ich denke ihr seid euch den Ausmaßen nicht bewusst. 

Es geht nämlich darum, dass nicht nur wir Jugendliche unter der Klimapolitik leiden, sondern auch ihr unter der Unterdrückung, die damit einhergeht. Wenn ihr annehmt die Industrie wird noch lange so weitergehen wie sie es jetzt tut (ThyssenKrupp bspw), vertut ihr euch mächtig, weil die Ressourcen irgendwann aufgebraucht werden, es wird schlichtweg kein Stahl mehr geben, das verarbeitet werden kann, Arbeit wird verloren gehen und mit der Arbeit die Verbundenheit mancher mit ihrem job. 

Ich denke ihr seid euch nicht bewusst, dass Klimapolitik bedeutet, dass das Industriegebiet nicht mehr so lange standhaft halten kann, ihr hört nicht die Musik die abends vorm Bauhaus spielt, wenn ihr schlaft um morgens auf die Arbeit zu gehen, benommen, gelähmt und unsicher, dass eure Arbeit und nicht Auflehnung bedeutet, dass ihr nicht nur schlechte Umweltpolitik unterstützt sondern auch noch die Zukunft von euch und eurer Tradition gefährdet.

Weil es sie irgendwann nicht mehr geben wird. 

Ich wende mich hier explizit zuerst an die ältere Generation, die verstehen muss, dass wir uns nicht nur um uns selbst sorgen machen, sondern vordergründig auch um euch, weil mit dem Verlust eurer Arbeit und eurem Verständnis Verlust unserer Zukunft mit einhergeht. Ich möchte euch bewusst machen, dass die Klimapolitik nicht einfach nur ein Scherz ist, sondern dass Politiker dahinterstecken – Die wir wählen, die nicht vorausschauen und darauf achten, dass es uns allen kollektiv gut gehen wird in den nächsten 30 Jahren, sondern eher Geld in die Unternehmen stecken um Jobs zu schaffen. Aber das Geld fließt nicht in die Unternehmen, es fließt in die Taschen eurer Vorgesetzten, das Geld fließt in alle Maßnahmen, nur nicht in unsere Zukunft. 

Das Geld fließt niemals in unsere Zukunft, das sehen wir dann, wenn Politiker keine Flüchtlinge retten können, die auf Lesbos gestrandet sind, sich nicht damit beschäftigen warum sie denn hierhin kommen. Sobald Geld im Spiel ist, bedeutet das, dass notwendigerweise Waffen exportiert werden müssen um die Wirtschaft anzutreiben (Waffe, aus Rohstoffen hergestellt und mit Abgasen transportiert (!)). Damit geht aber einher, dass manche Menschen leiden müssen für ein gutes Leben mancher weniger. Das sind wir.

Schaut euch um. Uns geht es super. Uns geht es so gut, dass wir uns besaufen können, statt über Politik nachzudenken. Wir lieber an Handys hängen können statt miteinander zu reden, weil wir keine Gründe haben und vor allem Angst. Wir gehen lieber feiern nachts anstatt tagsüber miteinander zu sprechen. Uns geht es so gut, dass wir vergessen wie schlecht es allen anderen um uns herum eigentlich geht. Aber es wird uns nicht mehr lange so gut gehen und dann werden wir merken wir haben ein Problem. Es wird zu spät sein.  In 20-30 Jahren wird die Gegen hier nicht mehr so aussehen wie sie jetzt aussieht, weil Touristen nicht kommen werden- es werden keine Flüge fliegen, weil es keine Rohstoffe geben wird.

Züge werden weniger fahren, weil es nicht genug Beschäftigte geben wird, die wir bezahlen können.

Geschäfte werden schließen, weil sich in China Arbeiter auflehnen werden gegen das unterdrückerische System, das bei ihnen herrscht.

Ihr fragt euch was das mit FFF zu tun hat? 

Es hat damit zu tun, dass wir irgendwann an der Reihe sind und leiden werden, weil Politiker kein Verständnis für uns aufbringen.

Es hat damit zu tun, dass unsere Erde leidet anstelle von uns und wir das auch noch unterstützen, weil Ökonomen auf die Gewinnmaximierung achten und wir als Konsumenten den ganzen Mist kaufen- verblendet, das unser Kauf jetzt das Öl kostet, das wir später zum Heizen brauchen werden. Weil es sie nicht interessiert ob wir morgen nicht heizen können. Weil es nur darum geht jetzt zu kaufen, arbeiten, maximieren und leben. 

Aber es gibt Zeiten für die Aufnahme und es gibt Zeiten für die Abgabe.

Wir Jugendliche haben zu lange aufgenommen. Wir sind die, die aufgewachsen sind mit Konsum, Vergleichen und Gewinnmaximierung. Wäre Greta Thunberg in Stockholm nicht auf die Straße gegangen und hätte uns gesagt euch zur Verantwortung zu ziehen, wir stünden nicht hier. 

Hätte sie sich nicht aus dem social game raus gezogen und die Dinge analysiert, würden wir weiter nehmen und nehmen und nehmen.

Aber ich stehe hier heute um euch zu sagen, dass wir abgeben müssen.

Wir müssen abgeben und zwar unser Wissen, dass es nicht mehr lange dauern wird bis wir nichts mehr haben. Bis wir nichts mehr nehmen können, weil ihr in eurer Jugend zu schnell und zu lange gerannt seid, weswegen wir jetzt so langsam sind. Hört zu! 

Ich stehe hier nicht um uns zu spalten sondern um die alte mit der neuen Generation zu verbinden, weil ihr, anstatt uns zu verstehen, uns angefangen habt zu richten, dafür, dass wir euch richten. 

Uns gerichtet habt für die Art und Weise wie wir uns hörbar machen, nicht bewusst, dass wir uns gerne auf die Sitze anstelle von CDU und CSU setzen und das Land regieren wurden, es aber nicht funktioniert weil wir 1. Zu jung sind und 2. Weil ihr uns nicht wählen würdet. Weil ihr im Vergleich zu uns nicht versteht worauf ihr hinarbeitet und hinlebt, habt uns in die Welt gesetzt, aber wen werden wir in die Welt setzten? Und in was für eine Welt vor allem?

Man kann sich mit Geld vieles kaufen, vor allem aber keine Zeit. 

Ich stehe jetzt vor euch um zu sagen: wir haben keine Zeit. Wir haben sie nicht.
Wir haben kein schönes Heute wenn es morgen keine Zukunft gibt. Können nicht in Sicherheit leben, wenn wir wissen, morgen wird es nichts mehr geben.
Wir haben Angst um unsere Zukunft und das versteht ihr nicht.

Geht arbeiten für uns, aber müsst verstehen, dass ihr mit eurer Arbeit und euren Sorgen unsere Sicherheit wegnehmt, in dem ihr unterstützt, dass Konzerne die Umwelt für ihren Reichtum nutzen. 

Wir stehen hier nicht nur als junge Demonstrierende, die gegen irgendwelche Politiker hetzen, sondern wir stehen hier als Kinder, die dabei zusehen wie ihr euch gegen uns wendet anstatt euch mit uns zu solidarisieren um gegen Politiker vorzugehen, die lieber Ökonomen Geld in die Hände spielen um temporär reich zu sein, aber Reichtum hält nicht ewig. Materielles, Geld, ja, aber es gibt kein natürliches Erbe, weil man sich Natur nicht kaufen kann. Vor allem nicht vererben, wenn es sie nicht gibt. 

Wir richten die Natur zu Grunde, die Erde leidet.

Also hört und jetzt zu.

Wenn ihr auf die Straße geht, denkt darüber nach für wen ihr einkauft. Denkt an uns, wenn ihr arbeiten geht. Denkt daran, dass wir zwar jetzt hier stehen, aber in einem Jahr in Großstädten studieren werden: wir müssen nicht gehen um unsere Heimat zu lieben, aber wir kommen zurück und verstehen warum wir sie bei so viel Liebe doch verlassen. Weil es hier keine Zukunft gibt.

Ich sage euch, seid wütend, werdet wütend auf alle, die euch nicht zuhören.

Solidarisiert euch: hebt Schwächere an und gebt Raum für Menschen, die lange Zeit keinen Raum hatten. 

Versteht endlich, dass ihr nicht gegen uns kämpfen müsst sondern mit uns, weil wir frustriert sind mit jedem Tag dabei zuzusehen wie ihr Erwachsene tatenlos einem System beisteuert, dass uns unsere Ressourcen wegnimmt.

Ich frage euch: wie lange? Zu welchem Preis? Warum? 

Ich sage euch: öffnet eure Augen, hört zu und erkennt was ihr macht, tragt politische Verantwortung, die Politiker nicht tragen.

Tragt sie mit uns, für uns und für unsere Zukunft.

Tragt uns in eurem Gedanken, wenn ihr morgens aufsteht, tragt uns wenn ihr einkaufen geht, wenn ihr euren Chef beim Schreien zuschaut und beim Autofahren durch die Stadt an einem Samstag nachmittag mit 30 Minuten Stau auf der Autobahn. Hört uns zu.

Hört uns zu und fragt euch ob es gerecht ist, dass unsere aller Zukunft genommen wird. Versteht, dass das hier alles nicht nur für uns ist, Kinder, sondern ich hier stehe und Verantwortung trage für ein Kind, das es noch gar nicht gibt und ich entscheiden muss, ob ich es überhaupt in die Welt setzen will, wenn es keine bunte Zukunft und damit auch keinen Grund zum Leben hat. 

Wacht bitte auf. 

Vielen Dank.